Home / Start
Fanartikel
Biografie
Discografie
Lyrics
Tour
Auszeichnungen
Musik Blog
Fotos und Bilder
Online Spiele
Gästebuch
Surftips
Statistik
Impressum
Datenschutz
 

Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft

Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ verbindet Musikdokumentation mit dem Porträt einer Band, die ihren frühen Erwartungen lange hinterherläuft. Statt großen Erfolg festzuhalten, rückt der Film Ausdauer, Freundschaft und den Alltag zweier Musiker in den Mittelpunkt. Dabei treffen Erinnerungen an frühere Bühnenmomente auf ein Leben, das längst andere Wege genommen hat.

Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft

Steve Kudlow arbeitet als Fahrer, Robb Reiner auf dem Bau, doch Anvil besteht weiterhin. Eine Europatournee weckt neue Hoffnungen, führt jedoch zu Verspätungen, schwach besuchten Konzerten und finanziellen Problemen. Nach der Rückkehr plant die Band mit Produzent Chris Tsangarides ein neues Album. Geldsorgen und ein Streit zwischen Kudlow und Reiner erschweren die Aufnahmen zusätzlich. Schließlich erscheint This Is Thirteen im Eigenvertrieb, bevor ein unerwartetes Angebot aus Japan neue Möglichkeiten eröffnet. Führt diese Einladung Anvil noch einmal dorthin zurück, wo Jahrzehnte zuvor alles möglich schien?

Informationen zum Film Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft

Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ trägt im Original den Titel „Anvil! The Story of Anvil“ und erschien 2008. Der US-amerikanische Dokumentarfilm entstand zwischen 2006 und 2007, hat eine Laufzeit von 80 Minuten und verwendet Englisch als Originalsprache. Die FSK gab ihn ab zwölf Jahren frei. Sacha Gervasi führte Regie, während Rebecca Yeldham die Produktion übernahm. Der Film beschäftigt sich mit der kanadischen Metal-Band Anvil.

Vor der Kamera treten Steve „Lips“ Kudlow, Robb Reiner, Glenn Gyorffy, Ivan Hurd, Tiziana Arrigoni und Chris Tsangarides auf. Außerdem wirken Lars Ulrich, Slash und Lemmy Kilmister mit. Christopher Soos verantwortete die Kamera, David Norland komponierte die Musik. Andrew Dickler und Jeff Renfroe übernahmen gemeinsam den Schnitt. Als Drehort diente Scarborough in Toronto in der kanadischen Provinz Ontario.

Gervasi kannte Anvil seit einem Konzert am 21. September 1982 im Londoner Marquee Club. Später begleitete er die Gruppe auf Tourneen und arbeitete 1982, 1984 und 1985 als Roadie. Nach dem Film trat Anvil 2009 beim Download-Festival auf und tourte mit Saxon sowie AC/DC. Der weltweite Bruttoertrag erreichte 951.380 Dollar, davon entfielen 667.911 Dollar auf die USA und Kanada. Das dortige Eröffnungswochenende brachte am 12. April 2009 insgesamt 34.651 Dollar ein.

Zusammenfassung und Handlung des Films

Beim Super Rock Festival 1984 in Japan steht Anvil gemeinsam mit Scorpions, Whitesnake und Bon Jovi auf der Bühne. Während die anderen Gruppen später Millionen Tonträger verkaufen, bleibt Anvil der große Erfolg versagt. Musiker wie Scott Ian, Slash, Lemmy Kilmister und Lars Ulrich äußern sich später über die kanadische Band. Sie bedauern, dass Anvil trotz früher Aufmerksamkeit keinen vergleichbaren Durchbruch erreicht. Jahre danach arbeitet Steve „Lips“ Kudlow als Fahrer für Essenslieferungen an Schulen und andere Einrichtungen. Schlagzeuger Robb Reiner verdient seinen Lebensunterhalt auf dem Bau. Dennoch existiert die Gruppe weiterhin und tritt unter anderem bei Kudlows fünfzigstem Geburtstag gemeinsam auf.

Eine neue Gelegenheit ergibt sich, als Bandfreundin Tiziana Arrigoni eine Europatournee organisiert. Kudlow und Reiner verbinden damit die Hoffnung auf ein Comeback. Zunächst reist Anvil zum Sweden Rock Festival und trifft dort Ted Nugent, Carmine Appice sowie Michael Schenker. Der Auftritt gelingt, doch anschließend treten immer mehr Schwierigkeiten auf. Die Musiker verpassen Züge und Flüge und erreichen Prag zwei Stunden verspätet. Deshalb verweigert der Clubbesitzer die vereinbarte Gage. Kudlow reagiert handgreiflich, bis ein Anwalt eingreift. Später spielt Anvil in Transsilvanien in einem Stadion für zehntausend Menschen vor lediglich 174 Besuchern und erlebt weitere ernüchternde Auftritte.

Streit und Versöhnung im Studio

Auch in Deutschland zeigt sich die geringe Bedeutung der Tour, als ein gewünschtes Konzertposter lediglich mit Filzstift entsteht. Nach der Rückkehr nach Kanada heiratet Gitarrist Ivan Hurd Tiziana Arrigoni, verlässt jedoch kurz darauf die Gruppe. Danach richtet Anvil den Blick auf ein neues Album. Produzent Chris Tsangarides, der die Band bereits seit den achtziger Jahren kennt, unterstützt das Vorhaben. Zuvor hatte er schon das bekannte Album Metal on Metal produziert. Tsangarides schlägt Aufnahmen im britischen Dover vor. Allerdings verlangt die Produktion 13.000 Pfund. Diese Summe übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Musiker und stellt das geplante Projekt zunächst grundsätzlich infrage.

Kudlow hat sein Haus bereits mit einer weiteren Hypothek belastet, während Glenn Gyorffy ohne Wohnung in einer Garage lebt. Auch Kudlows Versuch, in einem Callcenter Sonnenbrillen zu verkaufen, bringt keinen Erfolg. Schließlich hilft seine ältere Schwester Rhonda und leiht ihm das benötigte Geld. Dadurch kann die Band mit Chris Tsangarides an This Is Thirteen arbeiten. Während der Aufnahmen geraten Kudlow und Reiner jedoch heftig aneinander. Der Streit belastet ihre Zusammenarbeit, doch beide sprechen sich anschließend aus und versöhnen sich. Damit setzen sie die gemeinsame Arbeit fort und schließen das Album ab. Danach kehren die Musiker mit neuen Hoffnungen nach Kanada zurück.

Dort erfüllt sich die Hoffnung auf einen Plattenvertrag nicht. Deshalb entscheidet Anvil, This Is Thirteen ohne Label im Eigenvertrieb anzubieten. Kurz darauf meldet sich unerwartet ein japanischer Promoter bei der Band. Er möchte Anvil für ein Festival in Japan verpflichten. Die Musiker nehmen das Angebot an und reisen erneut in das Land, in dem sie bereits 1984 aufgetreten waren. Dort eröffnet Anvil ein dreitägiges Festival und rechnet zunächst mit einer leeren Halle. Beim Konzert zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Der Veranstaltungsort ist voll, und das Publikum reagiert begeistert auf den Auftritt der Gruppe. Anvil beendet das Konzert vor zahlreichen feiernden Zuschauern.

Fazit und Kritik zu Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft

Sacha Gervasi inszeniert „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ mit bemerkenswerter Nähe zu Steve Kudlow und Robb Reiner. Statt Rocknostalgie aufzublasen, beobachtet die Regie ihre Protagonisten zwischen Selbstbehauptung, Frust und langjähriger Verbundenheit. Christopher Soos hält mit beweglicher Kamera auch unangenehme Augenblicke fest, ohne sie künstlich zu dramatisieren. Kudlow und Reiner brauchen dabei kein Schauspiel: Gesten, Blicke und spontane Reaktionen vermitteln ihre gegensätzlichen Temperamente. Gerade diese Unmittelbarkeit trägt die Bildsprache und erklärt den außergewöhnlich positiven Kritikkonsens.

Besonders prägnant wirkt der Streit während der Studioaufnahmen. Gervasi bleibt dicht bei beiden Musikern, während längere Einstellungen ihre Verletzungen sichtbar machen. Der Schnitt verzichtet hier auf hektische Zuspitzung und lässt Spannungen aus der Situation entstehen. Anders arbeitet die Episode vor wenigen Zuschauern in einem riesigen Stadion: Weite Bilder unterstreichen das Missverhältnis zwischen Anspruch und Realität. Anvils eigene Musik setzt dazu einen rauen Kontrapunkt, während zusätzliche musikalische Akzente sparsam bleiben.

Der Erzählrhythmus verbindet komische Rückschläge mit ruhigeren, persönlichen Momenten und wahrt dabei respektvolle Distanz. Gelegentlich wiederholt die Montage ähnliche Niederlagen und verliert dadurch etwas Tempo. Dennoch vermeidet Gervasi Herablassung und hält die Freundschaft konsequent im Zentrum. Der Film eignet sich deshalb ebenso für Dokumentarfilm Freunde wie für Metal-Fans. Diese Mischung aus präziser Beobachtung und emotionaler Zurückhaltung macht ihn besonders stark.